Geschichte des OT

Orientalischer Tanz, der hierzulande meistens einfach als Bauchtanz bezeichnet wird, erfreut sich in Deutschland seit Beginn der 80er Jahre einem ständig steigenden Interesse quer durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten.

Doch wo kommt dieser Tanz eigentlich ursprünglich her und welche Bedeutung hatte er im Laufe der Geschichte?

Um einen Teil dieser Fragen zu klären, finden Sie auf dieser Seite einige Informationen über die Geschichte des Orientalischen Tanzes, über dessen genauen Ursprung es bis heute keine eindeutigen Aussagen gibt.

Es gibt verschiedene Ansätze dahingehend, wo der Orientalische Tanz ursprünglich herkommt. Einige Quellen gehen davon aus, dass er aus dem Mittleren Osten sowie aus Afrika kommt, was auf Grund bestimmter Bewegungen des Orientalischen Tanzes, wie z.B. kreisender Beckenbewegungen, die auch im afrikanischen Raum beheimatet sind, durchaus zutreffen kann.

Andere Quellen gehen davon aus, dass der Tanz ursprünglich durch die Aufführungen von Zigeunern, die aus Indien kamen und westwärts nach Europa wanderten, verbreitet wurde. Auf ihren Reisen von Indien nach Europa nahmen diese Zigeuner Einfluss auf die Tanzformen eines jeden Landes, das sie durchwanderten und nahmen auch Einflüsse aus diesen Ländern mit in ihren Tanz auf - und so wurde ihr Tanz im Laufe der Zeit zu dem, was wir heute als Orientalischen Tanz kennen.

Es ist anzunehmen, dass eine Mischung aus beiden Erklärungsansätzen richtig ist, denn der Orientalische Tanz beinhaltet viele Einflüsse sowohl aus Afrika als auch dem Mittleren Osten, aber auch Elemente des indischen Tanzes und anderer Tänze entlang der Seidenstraße. 

Unbestritten liegen die Wurzeln des Orientalischen Tanzes in den Fruchtbarkeitsriten von Naturreligionen weit zurückliegender Zeiten, in denen Menschen durch Tanz versuchten, die Natur und ihre Gewalten so darzustellen, dass ihre Götter, denen sie die verschiedenen Naturgewalten zuordneten, milde gestimmt wurden. Erste Beweise dafür sind die in den Höhlen der Sahara gefundenen Felszeichnungen.

Aus diesem ehemaligen Fruchtbarkeitsritus der Naturvölker wurde im Laufe der Zeit schließlich der Tempeltanz von Priesterinnen, die in Tempeln zu Ehren ihrer Göttin (z.B. Artemis oder Aphrodite im alten Griechenland, Hathor in Ägypten) tanzten.

In den Kulturen des alten Ägyptens oder Griechenlands - auch Roms - diente dieser Tanz unter anderem dazu, Rauschzustände zu erlangen, so dass z.B. eine Geisteraustreibung oder auch letztendlich eine Gotterfahrung möglich wurde.

Im alten Ägypten wandelte sich der Tempeltanz der Priesterinnen schließlich im neuen Reich am Nil (1554-1069 v. Chr.) zum öffentlichen Schautanz. Seit dieser Zeit kann man auch davon sprechen, dass es so genannte professionelle Tänzer und Tänzerinnen gab, die für ihre Kunden tanzten. 

In der Folgezeit nahm der Orientalische Tanz immer mehr Elemente anderer Tanzstile durch die z.B. nach Ägypten gebrachten Tänzer/innen aus Asien oder Afrika auf und erfuhr durch reisenden Zigeuner ebenfalls weitere Neuerungen.

Doch nicht nur in der Hochkultur der Ägypter, sondern auch im alten Griechenland und im römischen Reich waren die Tänzerinnen eine gern gesehene und beliebte Unterhaltung bei Feiern aller Art. Nach dem Untergang des ägyptischen Reiches und der Entstehung des Islam tanzten die Frauen in den arabischen Harems auf Grund der Umstände ihrer Abgeschiedenheit hauptsächlich für ihre eigene Unterhaltung, so dass sich der Orientalische Tanz dort ebenfalls stark weiterentwickelte.

Der Orientalische Tanz überdauerte diese Jahrhunderte in der Abgeschiedenheit der Harems, wobei es jedoch immer Berufstänzerinnen gab, die zur Unterhaltung in die Häuser geladen wurden.

1834 wurde jedoch allen öffentlich auftretenden Frauen schließlich verboten, ihrem Gewerbe in Kairo nachzugehen, da der damals regierende Mohammed Ali verhindern wollte, dass Ägypten in den Augen von Reisenden lediglich von Bauchtanz... geprägt war.

Da die Tänzerinnen nun Kairo verlassen mussten, begannen Männer damit, die Tänzerinnen zu imitieren. Diese so genannten Khawal kleideten und schminkten sich wie Frauen und tanzten auch wie diese. 

Zahlreiche europäische Reisende jedoch wollten die 'richtigen' Tänzerinnen sehen und suchten sogar nach ihnen. Ihre Reisebeschreibungen sind zwar oftmals von der Prüderie der damaligen Zeit geprägt, sie sind aber dennoch interessante und wichtige historische Zeugnisse für den orientalischen Tanz. Einer der bekanntesten Reisenden dieser Zeit war Gustave Flaubert, der im Jahr 1850 nach Ägypten sowie in die Türkei reiste und seiner Mutter beispielsweise in einem Brief schrieb, dass allein schon die Tänzerinnen die Reise nach Ägypten wert seien.

Die Verbannung der Tänzerinnen wurde schließlich um 1850 aufgehoben und die Künstlerinnen konnten nach Kairo zurückkehren. Sie durften jedoch nicht mehr öffentlich auftreten und tanzten deshalb von da an in Cafés, Nachtclubs oder Hotels.

Im Jahre 1893 wurde bei der Chicagoer Weltausstellung ein algerisches Dorf gezeigt, in dem auch einige Tänzerinnen zu sehen waren, die zwar zunächst einen Skandal auslösten, jedoch gleichzeitig zu einer der größten Attraktionen dieser Weltausstellung wurden. 

Von diesem Zeitpunkt an ließ sich die Verbreitung des Orientalischen Tanzes in der westlichen Welt nicht mehr aufhalten. Es fanden sich zahlreiche Nachahmerinnen wie z.B. Mata Hari, die durch 'Exotischen Tanz' ihr Geld verdiente. Aber auch respektable Künstlerinnen wie z.B. Ruth St. Denis ließen sich vom Orient und seiner Kultur inspirieren. Mary Wigman, eine der Wegbereiterinnen des modernen Tanzes, entwickelte 1920 sogar vier Tänze nach orientalischen Ideen.

Andere Bereiche der Kunst wurden ebenfalls vom Orientalischen Tanz inspiriert, wie man z.B. an Oscar Wildes Stück 'Salomé' sehen kann, das dieser 1893 dichtete. 1905 wurde eben dieses Stück schließlich von Wagner als Oper komponiert.

In den 20er Jahren öffneten im arabischen Raum (z.B. in Kairo) die ersten arabischen Theaterhallen, wo vorwiegend koloniales, aber auch arabisches Publikum orientalischen Tanz zu sehen bekam.

Die arabische und amerikanische Filmindustrie machte den Orientalischen Tanz - und seine berühmtesten Tänzerinnen - bis weit über die Grenzen Ägyptens hinaus bekannt. Die berühmtesten Tänzerinnen der dreißiger bis sechziger Jahre, wie Badia Masabne, Samia Gamal, Tahia Carioca oder Naima Akef waren bald im ganzen arabischen Raum populär und beliebt.

In den siebziger und achtziger Jahren waren z.B. Suhair Saki und Nagwa Fouad bekannt. In den neunziger Jahren war Fifi Abdo eine der gefragtesten Tänzerinnen Ägyptens. Sie ist auch heute noch sehr beliebt. Die wohl bekanntesten Tänzerinnen der arabischen Länder heute sind z.B. immer noch Dina aus Ägypten oder Amani aus dem Libanon.